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Winkeladvokatur

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Winkeladvokatur.

Schon die kleine Stadt bietet Existenzmöglichkeiten, die dazu dienen, erwerbslos gewordene Personen jederzeit aufzunehmen und entweder durchzuhalten oder, wenn sich ihre soziale Lage wieder gebessert hat, abzustoßen. In tausendfacher Vervielfältigung und Verzweigung kehren dieselben Existenzmöglichkeiten in der Großstadt wieder, und zwar erstrecken sie sich hier aus alle Arten und Grade menschlicher Tätigkeit.

Zu den bedeutsamsten und sozial wichtigsten dieser sogenannten freien Berufe zählt die Winkeladvokatur. Wichtig einmal deshalb, weil sie sich vornehmlich aus gebildeten, mindestens aber halbgebildeten Elementen zusammensetzt, die vielfach eine genaue Kenntnis staatlichen und bürgerlichen Lebens mit sich bringen, und deren Mitarbeit in Gemeinde- und Staatsangelegenheiten an sich durchaus wünschenswert wäre; wichtig auch deshalb, weil diese Kaste sich nicht aus die Besorgung eigener Angelegenheiten beschränkt, sondern gerade die gewerbsmäßige Fürsorge fremder Angelegenheiten zu ihrem Berufe macht und darauf ihre Existenz gründet.

Der Übergang in diesen Beruf ist der denkbar einfachste. Ein Tintenfaß, eine Feder, etwas Papier, ein Schild vor der Tür und eine Annonce in der Zeitung genügen, um den Konzipienten oder Volksanwalt fertig
        
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