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Geselligkeit

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

64 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte.

honores“ zu ergreifen, führte dem Stande Elemente zu, die keine Familientradition ihr eigen nannten und ihren älteren Standesgenossen ganz fremd gegenüberstanden. Riesige Entfernungen, denen die vorhandenen Verkehrsmittel Kaum genügten, erschwerten die Häufigkeit und damit indirekt auch die Innigkeit der Zusammenkünfte. Die ins Riesenhafte wachsenden Einnahmen eines Teiles der Anwaltschaft und die allgemein zunehmende Sucht nach Luxus und Pomp selbst unter den reicheren Beamten, entkleideten den geselligen Verkehr seiner bisherigen Schlichtheit und machten mitunter gerade den durch Geist und Charme begehrenswertesten Elementen ein Mithalten und Mittun zur Unmöglichkeit. Tiefe politische und religiöse Gegensätze zerrissen altgepslegte Beziehungen, kurz, es ist heute so weit gediehen, daß selbst die altberühmten geselligen Mittelpunkte, die Zuristen-bälle, nach allmählicher Verödung aufgegeben werden mußten. Berlin als Iuristenstadt par excellence hat keinen Iuristenstand mehr. Das hat durchweg bedauernswerte Folgen gezeitigt. Vor allem bedauerlich ist, daß der innige Zusammenhalt zwischen Richtern und Anwaltschaft beinah völlig aufgehört hat. Gerade die Vertretung selbst der intimsten und schwerwiegendsten Interessen des Publikums durch die Anwaltschaft macht ein genaues Kennen des Anwaltes und seiner Gepflogenheiten durch das Gericht außerordentlich wünschenswert. Nur dann wird der allein richtige Zustand wieder erreicht werden, daß schon der Beistand und die Vertretung eines bestimmten Anwaltes dem Richter von vornherein die Gewähr dafür bieten, daß hier eine gute und gerechte Sache vertreten werde, der er vor allen anderen fein Ohr leihen müsse resp. vice versa. Nur dann werden auch wieder die Beziehungen des Anwaltes zu seiner Klientel jenen höchst persönlichen Eharakter an-
        
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