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Karriere B. Der Richter

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

60 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte.

bekannten Berliner Zivilrichter. Dagegen sind die Namen der Strasrichter und vieler Staatsanwülte in aller Mund, und jeder von ihnen trägt im Gefühl des großen Publikums ferne besondere Lharaktermarke. Es hat Strafkammervorsitzende gegeben, die m den breitesten Schichten bekannt und als Idealbild des preußischen Richters verehrt wurden. Ich erinnere nur an den bekannten Landgerichtsdirektor Schmidt. Es hat aber auch ebenso Vorsitzende gegeben, deren Bild sich als starre, liebelose Formaljuristen so tief in die Volksseele eingenistet hatte, daß sie von allen Seiten die ungerechteste Beurteilung und Behandlung erfuhren. Ich erinnere an den verstorbenen Landgerichtsdirektor Vrausewetter, dessen furchtbarer Krankheit sicherlich ein Gutteil aller Absonderlichkeiten zugeschrieben werden muß, mit denen er in der Öffentlichkeit Anstoß erregte. Teilweise gleiche Angriffe wie Brausewetter hat in jüngster Zeit der Leiter des Plötzenseeprozesses, Landgerichtsdirektor Oppermann, erfahren müssen; meines Erachtens mich er zum große» Teil ungerechLfertigterweise.

Ist nun für den Zivilrichter aus den angegebenen Gründen ein Emporsteigen mit den größten Schwierigkeiten verbunden, so hat Berlin auch hier einen für die weltstädtischen Verhältnisse charakteristischen Ausweg gezeitigt: die nebenamtliche Beschäftigung bei anderen Behörden. Seit geraumer Zeit und in immer steigendem Maße werden nämlich tüchtige Ziviljuristen von den Verwaltungsbehörden, den Versicherungsämtern, dem Patentamt, den Disziplinargerichten herangezogen und treten hierbei allmählich in den Vordergrund. So kommt es, daß die eigentliche Karriere des Richters sich vielfach auf dem Umwege über seine nebenamtliche Tätigkeit entwickelt und ihn hier nicht nur zu erhöhten Einnahmen, sondern auch zu Rangstufen und Titel führt, die dem
        
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