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Karriere A. Der Anwalt

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Karriere.

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nicht als selbständiger Anwalt zu betätigen, sondern zunächst als Hilfsarbeiter oder Sozius eines größeren, bekannten und vielbeschäftigten Kollegen sein Auskommen zu suchen und von diesem sicheren Port aus so lange zu warten, bis sich die Gelegenheit, selbständig zu werden, bietet. So sehr viel Gutes dieser Zustand aus der einen Seite hat, indem er zwischen die Vollendung des Studiums und die eigentliche Selbständigkeit einige Lehrjahre aus pekuniär gesicherter Basis einschiebt, so läßt sich aus der anderen Seite nicht leugnen, dasz dadurch ein immer größerer Teil der Anwaltschaft und aus immer längere Zeit zur Unselbständigkeit verdammt wird. Nicht selten ermöglichen nämlich die Umstände, der Mut, die Mittel des betreffenden Sozius ein Selbständigwerden nicht. Und so bildet sich allmählich innerhalb der Kaste eine Klasse heraus, die nur noch den Namen des An-waltes mit den glücklicheren imb selbständigeren Kollegen gemein hat, während sie im übrigen ein besoldetes Hilfs-arbeitertum darstellt, welches die durch die freie Advokatur erstrebten Ziele einer nach allen Seiten unabhängigen Berusstätigkeit nimmermehr zu erreichen vermag.

Aber auch, wem es durch Eifer oder Glück gelingt, in kurzer Zeit selbständig zu werden und hier seinen normalen Weg zu gehen, ist weit davon entfernt, ohne weiteres zu Ansehen, Ruhm oder großen Einnahmen zu gelangen. Er muß im Regelsall damit rechnen, daß er in den ersten drei Jahren mit knapper Not seine Vureau-speseu und in einem weiteren Triennium mit aller Mühe einen recht bescheidenen Unterhalt verdient. Daß besonders vorteilhafte, verwandtschaftliche Beziehungen oder sonstige glückliche Zufälle das Bild ändern können, spricht nicht gegen die Richtigkeit der ausgestellten Regel.

In dem Bestreben, aus der hundertköpftgen Menge der übrigen herauszuragen, hat nun Berlin wiederum
        
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