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Rechtsanwaltschaft

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

48 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte.

Kenntnissen in der Literatur und Kunst einen erlesenen Geschmack und eine stets offene Hand. Mancher seither zu Ruhm und Vermögen emporgestiegene Künstler weiß davon zu erzählen.

Aber unsere Anwaltskreise haben sich an der fördernden und rezeptiven Tätigkeit nicht genügen lassen, sie haben selbst eine Reihe anmutiger und origineller Talente hervorgebracht, die in den schönen Künsten exzellierten. Wie fast immer die Gegensätze sich anziehen, so war es hier das Gebiet der Lyrik, welches die besten Kräfte an sich fesselte. Es liegt ein eigenartiger Reiz darin, die feinsinnigen Dichtungen eines Traeger, eines Sello zu genießen und sich dabei vorzustellen, daß dies Früchte sind, welche angestrengter Berufsarbeit in den so gar nicht stimmungsvollen Gerichtssälen abgerungen werden mußten. Auch aus dem Gebiete des Berliner Romans und der Sittenschilderung ist tüchtiges geleistet worden. Ich möchte hier eines früheren Berliner Rechtsanwaltes, jetzigen Herausgebers einer bekannten Wochenschrift für das Berliner Leben gedenken, der seine Kenntnisse dieses Lebens in einer Anzahl wirklich fesselnder, mit überlegenem Humor geschriebener Romane und Sittenbilder verarbeitet hat. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß eine Reihe lustiger Ränke und Schwänke im Simplizissimus, in den Fliegenden und Lustigen Blättern ihre Entstehung Berliner Anwälten verdanken. Dabei seien die Werke von Rideamus genannt, unter welchem Pseudonym sich ein Berliner Kollege verbirgt.

Ich möchte an dieser Stelle abbrechen, ohne vorerst aus die außerordentlich wichtigen gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse innerhalb dieser Kreise einzugehen. Ich rekapituliere: es ist außerordentlich wohlfeil, den Berliner Anwaltsstand einen Schelm zu heißen. Mag neben vielem Licht auch mancher Schatten erscheinen.
        
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