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Richterstand

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Mchterstand. 
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zu Kostspielig. Die vornehmen Wein- und teuren Bier- 
restaurants des Westens und der Friedrichstadt wird diese 
Familie im Innern niemals kennen lernen können. Von 
dem unendlichen, großen, weiten, herrlichen, reichen Berlin 
hat sie nichts! Sie führt das mühevolle, gedrückte Leben 
der kleinen Subalternen, doppelt mühevoll in dem sie 
umgebenden Milieu. Wie unerträglich mutz so ein alter 
Beamter es oft empfinden, wenn um ihn der skrupellose 
Geschäftsmann, der findige Spekulant, der rücksichtslose 
Unternehmer das Leben des großen Herrn führt und ihn, 
wenn er das Vorderhaus streift, über die Achsel ansieht, 
während er, den Kops voller Sorgen, an seine Arbeit 
geht. Muß dieses wirklich so sein, mutz der Richterstand 
zum gelehrten Proletariat herabgedrückt werden? Und 
hat das reiche Preußen für diese erste und wichtigste 
aller Staatsaufgaben kein Geld übrig? 
(Charakteristisch und ehrenvoll für den Berliner Richter 
ist unter diesen Umständen vor allem eins. Nie hat er 
versucht, die Öffentlichkeit für seine pekuniären Sorgen 
in ähnlicher Weise zu interessieren, wie andere Veruss- 
stände. Der Berliner Richter hat kein Blatt, das seine 
Standesinteressen vertritt, keinen Verein, der in diesen 
Angelegenheiten seine Stimme erhebt. Nicht einmal 
Stiftungen zugunsten der Richter und ihrer Angehörigen 
bestehen hier. Still geht dieser Beruf seiner mühevollen 
Arbeit im Dienste am Recht nach. Still entbehrt er, 
schweigend trägt er seine materiellen Sorgen, noch heute 
in der Umwertung aller beamtlichen Werte das Bild 
altpreußischer Ehrensestigkeit gewährend, die in der Arbeit 
für den Staat und sein Herrscherhaus ihre Befriedigung 
sucht und findet. II travaille pour le roi de Prusse,
        
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