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Richterstand

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Richterstand.	39

läßt. So nur kann es vermieden werden, daß diese wichtigen Ämter als Durchgangsposten für Karrieremacher dienen. So allein können diese Kollegien jene Stetigkeit bewahren, die die unentbehrliche Grundlage für eine konstante, nach oben und unten gleich unabhängige Rechtsprechung bildet. Warum in aller Welt sind endlich die Militürrichter höher gestellt worden, als ihre Kollegen an den ordentlichen bürgerlichen Gerichten? Hiermit soll nicht der höhere Rang dieser Richter bedauert, sondern die Nichtgleichstellung mit ihren bürgerlichen Kollegen gerügt werden. Ist denn ein Rat am Königl. Preußischen Kammergericht weniger wie irgend ein Oberkriegsgerichtsrat?

Die Mehrzahl unserer Richter ist anspruchslos und feinfühlend genug, sich über diese Rangsrage lächelnd hinwegzusetzen und durch Wissen, Auftreten und Charakter dasjenige zu ersetzen zu suchen, was ihnen an Rang abgeht. Das geistvolle Buch von Kade: „Der deutsche Richter" ist ein ehrenvolles Zeichen dieser Gesinnung. Wenn man dieses Buch liest, sieht man, daß der Berliner Richter zu hoch steht, um im Rang erhöht werden zu müssen.

Weit ärger liegen die Geh altsverhültnisse. Der Charakter der Weltstadt bringt es mit sich, daß in Berlin Scharen von Leuten wohnen, deren Reichtum und Einkommen in umgekehrtem Verhältnisse zur Urbanität ihrer Formell und zur Bildung ihres Gemüts und Charakters steht. Berlin ist nicht mehr die einfache Stadt der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit ihren geistreichen Teesalons. Es ist im Begriff, die Metropole des Reichtums zu werden. Hier regiert das Geld, und das Geld beginnt manchen Teilen der Stadt und gerade den schönsten des Westens seinen Charakter anfzuzwingen.

Es wäre die Ausgabe des Staates gewesen, diesen
        
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