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Richterstand

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

36 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte. 
Polizeirichter ihres Amtes walten. Es steht zu erwarten, 
ja es ist zu wünschen, daß dieser gesunde Gedanke weitere 
Ausbreitung finden, daß allmählich der größere Teil aller 
Streitsachen des Amtsgerichts, ferner aber auch ein großer 
Teil der Verwaltungsgeschäfte desselben den Richtern ab¬ 
genommen und Laienbehörden mit denkbar einfachstem 
Geschäftsgang anvertraut werde. Muß die Vormund- 
schafts-, die Handelsregister-, die Subhastationsbehörde 
wirklich mit Richtern besetzt sein, die in ihrer Person und 
in ihrer Amtsstellung alle Garantien vereinigen, die der 
hohe Beruf des wirklichen Richters erfordert? Oder ist 
es nicht ratsamer, den Richter für die Entscheidung wirk¬ 
licher Kapitalsachen auszusparen, ja aufzusparen, damit 
unser Richterstand nicht durch die Behelligung mit Nichtig¬ 
keiten subalternisiert werde, sondern die hohe Stufe an 
Ansehen, Einfluß und Macht erreiche, wie sie der eng¬ 
lische Lordrichter mit berechtigtem Stolz innehält? Das 
scheint mir in der Tat eine Frage, des Schweißes der 
Edlen wert. Dann erst wird es möglich sein, dem Richter 
im neuen, stolzen Sinne dieses Wortes dasjenige Ansehen 
durch den Rang und dasjenige Einkommen im Gehalt 
zu gewähren, welches dieser höchsten beamtlichen Stellung 
entspricht. Vergessen wir doch nicht, daß die ersten Richter 
die Könige selbst waren! 
Doch wir sind vorn Wege abgewichen. Zur Debatte 
steht immer noch die Frage, ob überall Tadel und Mi߬ 
trauen in unseren Richterstand an die Stelle blinden 
Vertrauens getreten sind. Daß die Reichsregierung nicht 
von solchen Anwandlungen geleitet wurde, als sie Sonder- 
gerichte schuf, scheint mir klargestellt. Aber wie steht es 
mit dem Publikum? Nun, ich glaube, selbst Männer wie 
Kade,* der bei allem Bemühen nach Objektivität pessi- 
* Kade, „Der deutsche Richter" 1904 (Heymann).
        
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