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Richterstand

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Aichtrrstand.

Nirgends kommt Volksglauben und Volkserfahrung unmittelbarer zum Ausdruck als im Sprichwort. Wer die Stellung, welche unser Berliner Richterstand im VolKs-empfinden einnimmt, objektiv zur Darstellung bringen will, darf an dieser wichtigsten Quelle nicht vorübergehen.

Die als Historie verbrämte Mär erzählt, daß der große König die Arnoldsche Mühle in Sanssouci sehr gegen den Willen ihres Besitzers kaufen wollte. Im Kampf um das Erbe seiner Vater habe schließlich der verzweifelte Mann seinem Könige entgegenzutreten und ihn mit den Worten: „Ja, wenn das Berliner Kammergericht nicht wäre!" an die Grenzen zu erinnern gewagt, die selbst königlicher Willkür gezogen seien. Der Volksmund hat bezeichnenderweise verallgemeinert und ruft seitdem bei allen Gelegenheiten, wo es gegen übermächtige Angriffe Schutz vor den Schranken des Gerichts zu suchen gilt: „Es gibt noch Richter in Berlin" (II y a des juges ä Berlin). Kein fürnehmer Lob wird je zum Preise unseres Richterstandes ersonnen werden, als diese schlichten Worte.

Ist nun die Art Berliner Richter dieselbe geblieben, geht das Zutrauen der Nation noch heute dahin, daß vor ihren Schranken selbst der Willkür des Mächtigsten Halt geboten wird? Fast will der große Chor der Zweifler
        
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