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Neuorganisation

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Neuorganisation.

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der Niederlassung an einem der kritischen Landgerichte, also nicht einmal nach der Anciennität; er unterbricht das Prinzip der freien Advokatur. Immerhin war das praktische Bedürfnis des Augenblicks zufriedengestellt.

Der kritische Beobachter kann sich damit nicht genügen lassen. Es soll Keineswegs geleugnet werden, daß die ins Riesenhafte gewachsenen Berliner Gerichte enorme Ansprüche an den Beamtenkörper, die Anwaltschaft und das Publikum stellen. Terminszettel von 60—70 Sachen am Amtsgericht, von 40 Sachen am Landgericht bilden keine Seltenheit. Die große Menge der Anwälte, einander kaum dem Namen nach kennend, schuf der pünktlichen Terminsabhaltung ungeahnte Schwierigkeiten. Es war mitunter unmöglich, in dem Gewühl einer hundert-köpfigen Personenmenge den Gegner zu finden. Das Publikum mutzte oft stundenlang als Zeuge oder Partei warten und wurde häufig durch die angedeuteten zufälligen Terminsbehinderungen genötigt, unverrichteter Sache nach Hause zu gehen.

Indessen vorzügliche technische Einrichtungen aller erdenklichen Art, namentlich im neuen Iustizpalast, erleichterten den Verkehr; es herrschte ein weitgehendes Entgegenkommen; die Beamten, die Anwälte waren stolz darauf, trotz aller räumlichen und zeitlichen Hindernisse mehr zu leisten wie die Provinz. Und vor allen Dingen hatte die liebe Gewohnheit fest eingefahrene Bahnen geschaffen, aus denen das Räderwerk des Riesenbetriebes mit vorzüglicher Exaktheit seine Arbeit verrichtete.

War es wirklich unumgänglich, das Altbewährte zu verlassen und einen Sprung ins Dunkle zu wagen? Genügte etwa nicht die Abzweigung der Vororte und mutzte die Stadt Berlin selbst gerichtlich geteilt werden? Mutzten wirklich obligatorische Grenzen geschaffen werden und genügte es nicht vielmehr, fakultative Zu-
        
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