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Neuorganisation

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

30 Großstadt-Dokumente 23b. 24. Berliner Gerichte.

Berlin-Tempelhof, Groß-Lichterfelde, Berlin-Wedding, Lichtenberg, Neu-Weißensee und Pankow treten. Mit anderen Worten, der Riesenkörper der Hauptstadt wird in vier Amtsgerichtsbezirke geteilt, die Vororte werden in erster Instanz auch lokal von Berlin emanzipiert und die Peripherie wird zu den Vorortsgerichten geschlagen.

An sich ist der Gedanke der Dezentralisation nichts Neues. Ich sehe ganz davon ab, daß Groß-Wien in ähnlicher Weise in örtliche Gerichtsstütten eingeteilt ist. Auch für Berlin sind die Verwaltungsgerichte von jeher dezentralisiert gewesen, und neuestens hat man für das Militärstrafversahren ähnliche Wege eingeschlagen, indem man die Zuständigkeit nach dem zufälligen Sitz der Kommandogewalten abgrenzte.

Überraschend und vielfach als lästig empfand das Publikum anfangs nur den Umstand, daß die Anwälte nicht simultan, d. h. bei allen Gerichten zugelassen sein, sondern aus je ein bestimmtes Landgericht in der Zuständigkeit beschränkt sein sollten. Dies hätte vielfach dazu gezwungen, anstatt des bisherigen ständigen Beraters, des Hausanwaltes, deren zwei oder drei zu beschäftigen, oder die nicht erstattungsfähigen Kosten der Substitution zu tragen. Die „Ältesten", industrielle Verbände und kauftnännische Vereine legten sich ins Mittel. Die Stimmung der Richterkreise war der Bewegung günstig, und so wurde durch Plenarbeschluß des Kammergerichts die simultane Zulassung einer Zahl von Anwälten beschlossen, die der Ziffer der am 1. Dezember 1904 bei beiden bisherigen Landgerichten zugelassenen entsprach. Der Beschluß statuiert lediglich ein Provisorium. Er läßt die Frage offen, ob diese Simultanzulassung lediglich für die Übergangszeit vorgesehen, oder auf die Lebenszeit der Privilegierten abgestellt sein soll. Er differenziert die Anwaltschaft nicht nach Verdienst, sondern nach der Zeit
        
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