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Gerichtsgebäude

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Gerichksgebäude. 
Für den denkenden Vankünstler sollte nichts leichter 
sein wie der Entwurf eines Gerichtsgebäudes. Der Zweck¬ 
gedanke, die Größe und Wucht des Rechtsgedankens, 
den Sieg des Rechts über das Unrecht und die Allmacht 
des Staates in der Durchsetzung des Rechts architektonisch 
auszudrücken, sollte sich mit den einfachsten Mitteln auf 
das leichteste verwirklichen lassen. Und dies um so mehr, 
wenn der Künstler, wie in Berlin, an historische Stätten 
anknüpfen darf und ihm die Aufgabe wird, die höchsten 
Gerichte des Landes monumental zu verwirklichen. 
Für Berlin kommt mich noch hinzu, daß es an die 
siebzig Gerichtsstütten hat, deren technische Einrichtung 
im einzelnen seit Jahrzehnten zu erproben und festzu¬ 
stellen war. Hier lag die Möglichkeit, ja der Zwang 
der Entwickelung eines besonderen Baustiles auf der 
Hand, und es überrascht immer wieder, daß es trotzdem 
nicht gelungen ist, für die gerichtliche Architektur Groß- 
Verlins eine einheitliche Note zu finden. Soviel Ge¬ 
bäude, soviel Stile und soviel Versuche bald monumen¬ 
tal, bald historisch, bald originell, bald gesucht nüchtern 
und geschäftsmäßig zu wirken. In Moabit ein roter 
Ziegelpalast, das Kammergericht ein barockes Palais, das 
Reichsversicherungsamt ein Sandsteinbau in protzigen 
Neu-Verliner Formen. Der Iustizpalast in der Grüner-
        
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