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Kammergericht

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Kammergericht. 
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Murr" die Armseligkeit der Phantasie mancher heutigen 
Autoren messen wird. 
Über ein halbes Jahrhundert nach Hoffmanns Wirken 
fällt die Tätigkeit Wicherts am Kammergericht. Er war, 
um ihn kurz zu charakterisieren, der Meister des vater¬ 
ländischen Romans und Dramas. Mit der Wortverbin¬ 
dung „vaterländisch" und „Roman" soll häufig ein ge¬ 
wisser Begriff der Langeweile und Nüchternheit verbunden 
werden, auch klingt es mitunter nach Streberei und 
Karrierernacherturn. Nichts ist irriger, als wenn man 
Wicherts Stil für langweilig halten und seinem drama¬ 
tischen Schaffen Streberei unterstellen wollte. Er war 
eben der Sohn der preußischen Ostmark und mit allen 
Fasern seines Herzens und seines Verstandes an das 
Land seiner Kindheit und seiner ersten Mannesjahre ge¬ 
fesselt. Es ist ohne weiteres klar, daß ihn die Probleme 
seiner Hemmt mit ihren Kämpfen und ihrer Not, aus 
dem siegreich und strahlend wie die Sonne das junge 
Preußen erwachsen war, mehr als alles andere fesselten. 
Das war sein Feld. Hier entfaltete seine Phantasie ihre 
kühnen Schwingen. And wer das Land, dem dieser 
Dichter entsproß, kennt und liebt, der wird immer wieder 
gern zu diesen seinen bedeutenden Romanen und Er¬ 
zählungen greifen und in ihnen die meisterliche Kunst 
heimatlicher Darstellung bewundern. 
Nach Wicherts Tode klagte man einige Zeit, das 
Kammergericht sei nun ohne Literaten, bis die Regie¬ 
rung durch die Berufung Holtzes der Not abhalf. Holtzes 
Bedeutung liegt allerdings nicht sowohl im dichterischen 
Schaffen, wie in der Erforschung preußisch-branden- 
burgischer Rechtsgeschichte. Was er auf diesem Felde in 
seinen Beitrügen zu der genannten Rechtsgeschichte und 
zu der Lokalgeschichte des Kammergerichts geleistet hat,
        
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