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Kammergericht

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

20 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte. 
bimittiert, andere Räte verwarnt und bestraft. Charak¬ 
teristisch für die Rigorosität der Maßnahmen ist, daß selbst 
der Kammergerichtsrat Nüßler, ein Schwiegersohn des 
Kanzlers Ludewig und Eoccejis eigener Hausgenosse, 
kurzerhand entlassen wurde. An die Spitze des reorgani¬ 
sierten Gerichts trat dann ein — Visinarck. Nomen fuit 
omen. Denn von nun an datiert die Größe des Tri¬ 
bunals, das seither in unablässiger Reihenfolge eine Reihe 
der bekanntesten Juristen Preußens in seinen Mitgliedern 
vereinigte. Soweit diese als bedeutende Kenner des 
Rechts hervorgetreten sind, gehören ihre Namen in die 
Geschichte der Jurisprudenz. Ich möchte hier nur ein¬ 
zelne Persönlichkeiten beschreiben, die neben ihrer Tätig¬ 
keit als Richter aus sonstigen Gründen die Aufmerksam¬ 
keit weitester Kreise aus sich lenkten. 
Ein Name schwebt aus aller Lippen: E. Th. A. Hofs¬ 
mann (2. April 1776 bis 25. Juni 1822). Ein glänzender 
Jurist, ein liebenswürdiger Gesellschafter, ein talentierter 
Musiker und vor allen Dingen einer der geistvollsten, origi¬ 
nellsten und wirkungsvollsten Dichter. Das Leben und 
Treiben Hoffmanns war stadtbekannt. Er wohnte am Gen¬ 
darmenmarkt, hatte seinen berühmten Stammtisch, der 
alle Größen des damaligen geistigen Berliner Lebens ver¬ 
einte, bei Lutter & Wegner. In dieser Mitte wurden 
jene Streiche geboren, die durch ihren Esprit und die 
geistvolle Art des Scherzes ganz Berlin entzückten und 
in Atem hielten. Hier in der Weinlaune begannen den 
Dichter auch schon jene Stoffe zu bewegen, die sich später 
zu seinen berühmten Erzählungen und Romanen aus- 
wuchsen. Ich glaube, die Zeit ist nicht fern, wo Hofftnann, 
der namentlich in den neunziger Jahren mehr zurück- 
getreten war, wieder modern werden wird und man am 
Maßstabe seiner berühmten „Lebensansichten des Kater
        
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