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Kammergericht

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

16 Großstadt-Dokumente Bd. 24. Berliner Gerichte.

mätzigkeit vereinen, wie das Berliner Kammergericht. Immer von neuem wundert man sich, wie der Bau-Künstler auf so winzigem Terrain so viel riesenhafte Säle mit breiten Zugängen und bequemen Neb engelassen schaffen konnte. Dazu überall Licht und Lust. Gin Mefenvestibül, eine königliche Freitreppe und, von den drei Armen des Gebäudes umschlossen, ein Garten mit wundervollen, uralten Kastanien. Von allen inneren Fenstern geht der Blick ins Grüne und zaubert die friedliche Sülle ländlicher Abgeschiedenheit vor. Ist eigentlich die Kunst, Gerichte zu bauen, verloren gegangen? Fast möchte es scheinen, denn nirgends in deutschen Landen ergreift den Beschauer so mächtig das Gefühl: „du bist hier an einer Stätte höchster königlicher Gerichtsbarkeit", wie in diesem uralten Schlößchen. Vielleicht wirkt dabei auch die Patina des Alters mit, aber das Gefühl ist das geschilderte, und selbst in Leipzig empfängt der Besucher nicht annähernd ähnliche Eindrücke wie hier.

Namen verblassen, der Ruhm verweht, und von den alten, berühmten Stätten ehemaliger deutscher Gerichtsbarkeit sind nur noch wenige, deren Name heute noch mit Ehrfurcht genannt wird. Eine Ausnahme macht das Kammergericht. Heute noch, ebenso wie vor 17a Jahrhunderten, gilt der Titel Kammergerichtsrat, Kammergerichtssekretär und Kammergerichtsreferendar, (das letztere zweifellos unberechtigt), als ein Ehrentitel, als eine Auszeichnung de tout premier ordre. Was ist es nun, was dieses Gericht so über alle Matzen berühmt gemacht hat, daß es nach wie vor als die Verkörperung aller guten Eigenschaften altpreußischer Justiz erscheint? Meines Ermessens der Umstand, daß es, obschon das Gericht des Königs und höfischen Einflüssen aus das stärkste ausgesetzt war, seit 150 Zähren stets unbekümmert um alle Angriffe von oben und unten das Recht mit

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