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Kammergericht

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Kammergericht.

Ein wundervolles, kleines Palais in barocken Formen — das ist das Gebäude, welches das berühmteste preußische Gericht beherbergt.

Am 8. Mai 1735, also vor genau 170 Jahren, erging die Kabinettsorder König Friedrich Wilhelms I., welche das Kammergericht von seinem bisherigen stolzen Sitze, dem königlichen Schloß, hierher verwies. Das mag damals, namentlich von den adelsstolzen Herren Räten — noch immer besetzte der Ritter- und Herrenstand (ordo equester) die Hälfte der Richtersitze — als eine Minderung empfunden worden sein. Indes mit dem Soldatenkönige und Locceji, seinem ministre chef de justice, war nicht gut zu spaßen. „Quidquid voluit, vehementer voluit.“ Man mußte sich also fügen. Was aber den Sturz von stolzer Höhe einigermaßen erleichtern mochte, das war das Gebäude des neuen Gerichtes. Das war kein Gerichtshaus üblicher Art mit schmucklosen, weißgetünchten Wänden und Armeleuteinventar, sondern ein vornehmes, kleines Schlößchen, leider nicht mit dem Königlichen Palais zu vergleichen, immerhin ein Herrensitz und kein Gericht.

Und in der Tat, es gibt wenige Gerichtsgebäude, die Schönheit und äußere Würde so mit innerer Zweck-
        
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