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Moabit

Full text: Berliner Gerichte / Hoeniger, Franz

Moabit. 
Es gibt wenige Gerichtsstätten mit gleich persönlicher 
Note in der Welt. Der Stadtteil hat dem Gebäude 
seinen Namen gegeben, das Gebäude hat den Sinn des 
Namens umgeprägt und ihn zum geflügelten Wort ge¬ 
macht. Das Wort ist dann seiner Bestimmung gemäß 
durch alle Lande getragen worden. „Moabit" ist heute 
für alle Welt der kollektive Begriff für eine ganze An¬ 
zahl mit der deutschen Strafjustiz in Verbindung stehender 
Dinge. „Moabiter Justiz", „Moabiter Richter", „er war 
schon in Moabit", „ein Moabiter Zunge" usw. sagt man 
und wird in Paris und London ebenso wie in Rixdorf 
verstanden. 
Das einzigartige dieses Gerichts äußert sich aber 
noch in etwas anderem. Es gibt viele hundert Kriminal¬ 
gerichte in ganz Deutschland, aber keines davon darf 
sich rühmen, nicht allein von der Sage umwoben, sondern 
direkt zum Mittelpunkt und Gegenstand einer ganzen 
Literaturgattung geworden zu sein. In der Tat, es gibt 
einen Moabiter Roman, und er wird nicht allein von 
Berliner Autoren gepflegt, sondern auch fremde Schrift¬ 
steller halten es für angezeigt, den Knoten Kriminalistischer 
Probleme, den sie geschürzt haben, in Moabit entwirren 
zu lassen. Es sind dann in den Empfindungen des
        
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