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Die Zukunft des Variétés

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Die Zukunft des Variötös.

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eine Stätte der Kunstoffenbarung anzusprechen und in den Besuchern irgendwelche künstlerischen Interessen und j Bedürfnisse als treibendes Moment vorauszusetzen. Und ganz das gleiche gilt von dem pikanten Kellnerinnen-vari6t6, wie wir es noch heute haben. Die „Räuberhöhle" ist gewiß kein Kunstinstitut.

Während so viel von der Veredlung des Vari6t6s gesprochen wurde, hat sich das Variete selbst einer solchen Reinigung, Veredlung, Läuterung unterzogen. Eigentlich ohne daß die Öffentlichkeit irgendwie davon Notiz genommen hätte. Die schlechten Triebe starben langsam ab, um den guten desto mehr Saft und Kraft zukommen zu lassen. Eine Zuchtwahl, die schon heute schöne Resultate gezeitigt hat!

Aus zwei Keimen scheint mir die Zukunft des Varietes im wesentlichen zu beruhen; nach zwei Richtungen hin wird es sich zu entfalten, auszubauen haben. Allerdings sind das ausgesprochen divergierende Rich-| tungen, und es mag wohl sein, daß sich .die Gegensätze, die schon heute scharf genug heraustreten, noch immer schärfer ausbilden und ausprägen werden. Das Volks-variät6 und das internationale Variete dienen durchaus verschiedenen Zwecken, verfolgen ihre Zwecke auf durchaus verschiedenen Wegen und haben, den Rameit abgerechnet, kaum etwas miteinander gemein. Die Besucher des Volksvarietss werden sich im „Internationalen" gottverlassen fühlen, und die des „Internationalen" werden im Volksvarietö nicht viel besser daran sein. Za, die Kreise der Besucher werden sich kaum jemals berühren. Eine Ausnahme machen vielleicht nur die Dirnen, denen es ja gleichgültig ist, wo sie ihre Beute finden. Sitzen sie aus dem Trocknen, haben sie ihre Toiletten versetzt, so trifft man sie im Volksvariete, sind sie bei Kasse, geben sie ihre Karte im „Internationalen" ab. Hier haben
        
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