Path:
Die soziale Lage der Künstler

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Die soziale Lage der Künstler.	85

Daher die hohen Prozente, die er für sich in Anspruch nimmt. Der Direktor bringt sie, wenn er seinen Künstlern die Gagen auszahlt, gleich in Abzug, um sie an den Agenten abzuführen.

Eine weitere Folge dieser Engagementspraxis ist die kurze Kündigung, unter der die Varietekünstler oft recht bitter zu leiden haben. Varietes, die eine Probezeit ansetzen, innerhalb deren die Künstler ohne irgendwelche Vergütung augenblicklich entlassen werden können, sind in deutschen Landen selten. Die dreitägige Kün-digungssrist haben dagegen die meisten der in Frage stehenden Lokale.

Nur in seltenen Fällen kann es sich der Künstler leisten, sich seinen besonderen Impresario zu halten, und in noch selteneren ist er sein eigener Agent.

Der Varistekünstler ist Berlin im allgemeinen nicht grün. Berlin bezahlt schlechter als die Provinz. An die ersten Berliner Institute zu gelangen glückt nur den wenigsten, und die kleineren Lokale haben der gewaltigen Konkurrenz wegen in Berlin einen beschränkteren Etat als die gleichwertigen Etablissements der Provinz.

Gehen wir einmal in eines der besuchtesten VolKs-varMss im Osten Berlins. Entree wird dort nicht verlangt. Das ganze Einkommen des Wirtes besteht in dem Erlös für Bier, Selterwasser, Zigarren. Er hat sechs Künstler zu bezahlen. Zunächst die Liedersängerin, die ist am höchsten dotiert, bekommt 120 Mark im Monat. Bon den drei Soubretten bekommt eine junge, aber begabte Anfängerin 100 Mark, die andern 90 Mark, der Komiker 100 Mark. Endlich der „Kapellmeister", der mit 100 oder 110 Mark dotiert ist; ich höre verschiedene Versionen darüber. Das sind nun alles so ziemlich die niedrigsten Sätze, die überhaupt gezahlt werden.

Für Mädchen, die die Kinderschuhe uoch kaum aus-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.