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Die soziale Lage der Künstler

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Die soziale Lage der Künstler. 
Im allgemeinen sind die Gagen der Varistekünstler 
wohl höher als man glaubt. Hat eine Sängerin Glück, 
so kann sie es, auch aus nicht erstklassigen Bühnen, 
immerhin zu einer Gage von 250,300, ja 350 und 400 Mark 
bringen. Das ist viel, wenn man bedenkt, daß die 
Mädchen fast stets allein stehen und die Anforderungen, 
die an ihre Toiletten gestellt werden, keineswegs ex¬ 
orbitant genannt werden können. 
Allerdings, der Agent bleibt in Betracht zu ziehen. 
In der Regel bekommt er von kleineren Gagen 6 Prozent, 
von größeren bis zu 10 Prozent. Betrügt die Gage 
weniger als 200 Mark, rangiert sie unter die „kleineren", 
beträgt sie über 200 Mark, unter die „größeren", die 
„höheren" Gagen. 
Der Agent spielt in dem Leben der Lhanteuse und 
des VariStekünstlers eine noch viel entscheidendere Rolle 
als im Dasein des Schauspielers. Die Variötssüngerin 
gastiert nicht auf Engagement, singt auch dem Herrn 
Direktor (wenigstens in kleineren Lokalen) nur sehr selten 
im Privatgemach ihre Schlager zur Probe vor, der 
Direktor muß sie vielmehr zumeist aus Treu und Glauben 
aus die Empfehlung des Agenten hin engagieren, ohne 
sie je gesehen oder gehört zu haben. Der Agent muß 
also eine genaue Kenntnis der Leistungen seiner Klienten 
besitzen; er ist dem Direktor gegenüber verantwortlich.
        
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