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In der Variétéschule

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

80 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin.

Sehr einfach, weil die meisten Schüler überhaupt keine Noten kennen, nie Noten lernen. Die Melodie wird dem Schüler hier regelrecht eingepaukt. Der Kapellmeister trommelt sie aus dem Instrument möglichst hart und eckig, trommelt sie so lange, bis sie den Schülern ins Gehör übergegangen ist. Gesten werden dabei zunächst gar nicht gemacht. Das kommt viel später. Auch aus den Ausdruck wird noch nicht geachtet. Zunächst gilt's einmal, richtig zu singen.

Mit dem Richtigsingen hapert's bei den beiden allerdings noch gründlich. Man kann die Hände über dem Kops zusammenschlagen: Wie Kommen die beiden überhaupt dazu, zum Variete zu gehen? Bei ihm mag's ja noch angehen, aber sie hat auch nicht das geringste, auch nicht das allergeringste Stimmaterial. Sie ist ausgesungen, ehe sie noch überhaupt zu singen angefangen.

Ich erkundige mich unter der Hand, wie sich solche Duettisten zusammenfinden. Mctrt sagt mir, daß es zuweilen Verwandte, meist aber Brautpaare sind. So auch hier. Ehepaare als Duettisten sind schon seltener, und auch der Fall, daß sich Menschen, die sich sonst int Leben fremd sind, zu solch gemeinsamer Tätigkeit zusammenfinden, kommt nicht häufig vor.

Immer, wenn ein Couplet zu Ende ist, korrigiert der Direktor die Fehler. And es gibt genug zu korrigieren. Da muß er feststellen, wie man „Baby" ausspricht, wie es um die Aussprache des Wortes „Geisha" steht und ähnliches.

Wird in den Übungen eine Pause gemacht, so hört man von draußen vom Saal her das laute Schwätzen und Lachen. Es hat sich nach und nach alles in den Saal hinausverzogen, wo die blonde Soubrette für angenehmste Kurzweil zu sorgen bemüht ist.

Ein vielleicht vierzehnjähriger Junge macht dort

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