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In der Variétéschule

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

 _________ In der Varistsschule.	75

der Llbungssaal des Instituts. Man muß sich Bewegung machen, um nicht zu erstarren.

„Acht Lehrer unterrichten hier," vertraut mir der Kapellmeister an, „jeder hat sein bestimmtes Fach — das geht hier in einer Tour, Vormittag und Nachmittag und Abend. Wenn Sie noch Zeit haben, nachher soll gleich ein Duett antreten."

Sehr rasch lenkt das Gespräch zu den pekuniären Verhältnissen der Künstler hinüber. Das Thema, das in den Artistenkreisen immer beliebt und immer aktuell ist.

Es wird von den reisenden Künstlern gesprochen. Bei den reisenden Truppen erhält der Komiker monatlich außer freier Station so etwa seine 70 bis 80 Mark.

„Das läßt man sich immerhin gefallen," meint der eine der Herren. „Hier in Berlin hat man meist nicht mehr als 120 Mark, damit kann man sogar ganz zufrieden sein. Da sind mir die achtzig bei freier Station lieber. Wenn nur die Kostüme nicht wären, da wär's ja gar kein übles Brot. Das mit den Kostümen ist doch oft bitter."

„Ja, die Kostüme!" seufzt der Sachse. „70 Mark gehen für die Kostüme immer drauf."

„Menschenskind, was du denkst," unterbricht ihn der ältere.	„70 Mark!	Ein	anständiger Frack kostet ja allein

bald so viel.	And	drei	Kostüme muß man immer min-

destens haben. Wir haben's gar nicht besser als die Damen, das redet man immer nur so."

Der Sachse holt einen Brief aus der Tasche. Er steht bei dem jovialen Kapellmeister und hält ihn ihm unter die Augen. „Solches Pech! Da hätt' ich nun gut das Doppelte verdienen können, wenn ich ruhig gewartet hätte.	Nun	habe	ich schon abgeschlossen, es geht nicht

wehr.	Und	mit	den	,Leipziger Sängern' wäre ich

gerade so gern mitgegangen. Wenn man nun einmal
        
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