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Preface

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Vorwort.

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Die folgenden Studien und Skizzen wollen dazu beitragen, die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf ein Gebiet zu lenken, das noch heute, trotzdem es erst in jüngster Zeit den Stoff zu erregten künstlerischen Diskussionen und Experimenten abgab, im allgemeinen weidlich unbekannt ist. Da ich die erwähnten Experimente, die einer Veredlung des Varietes dienen sollten, für durchweg mißglückt halte, ist in diesem Band keinerlei Notiz von ihnen genommen worden; auch die Eabarets, die ja heute in Berlin — sicherlich für kurze Zeit — eine gewisse Rolle spielen, wurden mit Stillschweigen Übergängen. Veredlung des Varietes — gewiß; aber sie muß sich wohl unwillkürlicher, mehr von innen heraus, aus eigner Kraft vollziehen; mit einem schneidigen Kommandowort ist hier nichts geschehen. Im übrigen will ich hier nicht wiederholen, was die Skizzen im einzelnen ausführen.

Nur noch ein Mittel, mit dem wir der Veredlung unseres Varietes vielleicht entgegenkommen, sie unterstützen können, sei in Vorschlag gebracht. Warum nehmen wir das Variete — ich meine das Variete, wie es sich uns heute präsentiert — so wenig ernst? Warum? Würde nicht viel gewonnen sein, wenn wir das Variete, dem Theater gleich, als ein Kunstinstitut ansehen wollten — meinetwegen als ein Kunstinstitut, das seine Aufgabe noch herzlich schlecht erfüllt, aber doch immerhin als ein Kunst-institut? Wenn wir ihm ernsthaften Tadel, aber auch ernsthafte künstlerische Würdigung nicht mehr vorenthalten würden? Warum wagen es die großen Zeitungen nicht, das Variäte in ihren Spalten zu kritisieren? Erste Kräfte als Referenten zu seinen Premieren zu entsenden? Es liegt natürlich auf der Hand, daß nur die großen, die internationalen Varietes für die künstlerische Kritik in Frage kommen können.

ErKner, Ende April 1905.

Eberhard Büchner.
        
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