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In der Variétéschule

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

74 Grotzstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin.

stehenden ruht! Bei vielen mag es auch nur Abenteurer-lust sein und die Sucht nach Abwechselung. Andere wieder glauben, daß sie am Variete mehr als bisher verdienen werden. Na ja, Reutter bekommt monatlich seine 8000 Mark, und schließlich denkt sich jeder so ganz im geheim, es könnte ihm doch auch mal glücken, er könnt' auch ein Reutter werden. Natürlich glückt's ihnen nicht, nur die wenigsten kommen wirklich in bessere Verhältnisse."

Dann reden wir von den Bedingungen, unter denen Schüler hier angenommen werden. Zunächst prüft der Direktor den Aspiranten. Fällt diese Prüfung hoffnungslos aus, so schickt er ihn kurzerhand nach Hause. Andernfalls ist er zu Gnaden angenommen. Er hat nun eine Ausbildung von ca. 75 Stunden vor sich und muß für jede Stunde 2 Mark bis 2,50 Mark zahlen. Vergegenwärtigt man sich, daß die Schüler während dieser Zeit stellenlos und erwerbsunfähig find, so wundert man sich einigermaßen, daß die Leute solche Summe aufbringen können. Freilich gibt es auch angehende Komiker, die ihre Stellen noch beibehalten haben und die Stunden dann regelmäßig nach sechs Uhr abends absolvieren. Für sie bedeutet der Entschluß, Komiker zu werden, nicht ganz so sehr den Sprung ins Ungewisse wie für ihre radikaleren Kollegen.

Während des Gesprächs hat sich die Tür geöffnet, ein Schutzmann steht im Rahmen. Er hat eine intime Angelegenheit mit dem Direktor zu besprechen, und wir müssen das Feld räumen.

Im eiskalten Nebenraum, der rings an den Wänden bunte Kulissenstücke, darüber Programme und Reklame-blätter aller Art und in einer Ecke eine mit gelbem Stoff verhängte Garderobe aufweist, promenieren wir auf und ab, der Kapellmeister, die zwei Künstler und ich. Es ist
        
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