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In der Variétéschule

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

72 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin.

Berlins renommiertester Varietsschule das Direktionszepter. 1800 Komiker hat er ausgebildet, 1200 Soubretten, eine große Menge Damenimitatoren, Duettisten, Kraftkünstler, Gott weiß, was alles.

Natürlich bin ich sehr neugierig. Ich will diesen Unterricht in all seinen Teilen gründlich kennen lernen. „Also bekommen Sie," so entscheidet der Direktor, „zunächst einmal den Phonographen zu hören." Einer der beiden jungen Leute springt eilfertig auf und rückt das Ungetüm in die Mitte des Zimmers. „Stellen Sie mal ihr eigenes Couplet ein," meint der Direktor. Es geschieht. Das Vergnügen geht los, so ein Lied, das Stein' erweichen, Menschen rasend machen kann. Wenn irgendwo ein Phonograph in Aktion tritt, fühle ich mich stets zur Raserei prädisponiert. Aber ich halte wacker aus. „Sehen Sie," resümiert der Direktor, nachdem der Kelch vorübergegangen, „ist doch ganz leidlich, das Ding. Man hört gleich genau raus, was der Mann kann uniD wo-ran's ihm noch fehlt. Dreimal nehme ich jeden hier auf. Am Anfang, wenn er eigentlich noch gar nichts kann, damit er hört, wie jämmerlich es um ihn bestellt ist. Dann wenn er soweit ist, daß er das erstemal vor das Publikum treten kann, und endlich später noch einmal, wenn er schon längere Zeit aufgetreten ist. Diese Aufnahmen sind auch geschäftlich von großer Wichtigkeit. Wenn ein Direktor, ein Variötebesitzer zu mir kommt, um sich jemand zu engagieren, so führe ich ihm einfach die Nummern vor und in der Regel sieht er ganz genug daran. Oft genug kommt's auf diese Weise zu einem Engagement."

Meine zweite Frage betrifft das Menschemnaterial, mit dem der Direktor zu arbeiten pslegt. Wo kommen all diese Variotokünstler her? Der Direktor, der noch immer — ein Bild seligen Friedens und Wohlbehagens —
        
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