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Variététypen Der Stammgast

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Variötetypen.

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Der Stammgast.

Er sitzt gleich vorn an der Rampe. Seit Jahren, vielleicht seit Jahrzehnten verkehrt er im Lokal. Abend für Abend ist er hier anzutreffen. Der Kellner bringt ihm mit devotester Verbeugung sein Bier, einen dickbauchigen Henkelkrug seltsamster Konstruktion. Jeder, der den Krug sieht, weiß: Aha, der Stammgast! Der Stammgast schwelgt in seligsten Genüssen. Obschon er die Couplets, die da aus der Bühne gesungen tverdeit, sämtlich schon hundertmal gehört hat, läßt er sich doch keinen Ton entgehen. Gierig schlürft er Wort für Wort ein. Seine Lieblinge zeichnet er durch ein freundliches Kopfnicken, zum Schluß ihrer Vortrüge durch ostentativen Applaus aus. Ist er in Geberlaune, bestellt er beim Kellner noch etliche Glas Bier und läßt sie, und zwar so, daß das Publikum Zeuge des Vorgangs ist, hinter die Kulissen schaffen. „Helles" natürlich; darüber traut er sich nicht hinaus, vielleicht aus Furcht vor dem Ehegespons, das ihm bei der Heimkehr die Taschen durchsuchen wird. Hat der Komiker sein Pensum absolviert, setzt er sich an den Tisch des Stammgasts. Dann plauschen die beide» recht vergnüglich. Und ist noch etwas holde Weiblichkeit dazu zu bekommen, um so besser. Dann ist der Stammgast im Himmel.

Die Kraftathletin.

Sie operierte mit Gewichten, die natürlich hohl waren, immerhin schwer genug. Wie ein starker, etwas rüder Alaun, so gab sie sich. Nach der Vorstellung traf sich in der gegenüberliegenden Kneipe alles, was zum VariM gehört. Die Männer fanden sich int löblichen Verein der „Herzensknicker" zusammen — Oberknicker war der
        
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