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Variététypen Ein zweiter, ein dritter "Kapellmeister"

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

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dürfnislos, wunschlos; den Zustand, in den er vielleicht nur durch Zufall hineingeraten, fast als Idylle nehmend. Der dritte wohl mit dem Willen zur Höhe begabt, aber ohne die Kraft, deu Willen zur Tat werden zu lassen.

Die Sängerin.

„Ihr höchstes Ziel ist es also, in die großen Varietes hineinzukommen?" fragte ich sie.

Sie nickte. „Vielleicht schaff' ich's einmal. Manchmal denk. ich, ich habe das Zeug dazu. Aber es gehört viel Glück dazu, viel Glück und dann viel Geld. Das ist eben die Ungerechtigkeit, mit Geld kann matt alles machen, da braucht man keine Stimme zu haben, braucht nichts zu leisten, braucht nicht einmal sonderlich hübsch

zu sein. Da schafft's jede. Aber unsereins Ich

könnte ja auch Geld haben, wenn ich wollte, so an die zehnmal ist mir das große Portemonnaie angeboten

worden, aber natürlich immer unter Bedingungen-------------

unter der Bedingung, daß man sich dem gütigen Spender als — Maitresse hingibt." Sie war jetzt sehr lebhaft, geradezu heftig. „Eine schöne Bedingung,

nicht? Der Mensch gibt mir's Geld und ich gebe-------------

Wer gibt denn nun eigentlich mehr? Wer hat eigentlich dem andern zu danken? Was denkt sich so einer denn? Was ich zu geben habe, ist mehr als das bißchen lumpige Geld, das ich nehmen soll . . . Und so bin ich denn arm geblieben. Vielleicht schaff' ich's, vielleicht auch nicht. Es schafft sich schwer ohne Geld."

Wie eine Theaterheroine erschien sie mir in jener Stunde.

Großstadt-Dokumente Ü3b. 22.

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