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Variététypen Der "Kapellmeister"

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Varietetypen.

Der „Kapellmeister".

Eine kleine Stadt nennt er seine Heimat. Sein Vater war dort Werkführer in einer Fabrik; der wollte, daß er ein Handwerk lernte, doch er war nicht dazu zu bewegen. So wurde Gewalt angewendet. Eines Tages aber marschierte er in Berlin ein. Da er einige musikalische Kenntnisse und noch mehr Liebe zur Musik mitbrachte, kam er als Molinspieler an einer kleinen Vorstadtkapelle an. Aber es war ein bitteres Brot, und es behagte ihm nicht. Er strebte darüber hinaus, wollte Harmonielehre und Kontrapunkt lernen, sich überhaupt in jeder Weise vervollkommnen. So kniff er ein zweites Mal aus, ließ Kontrakt Kontrakt sein und wandte sich neuen Zielen zu. Ein Bekannter schleppte ihn ins Variete als Klavierspieler oder — wie es in diesem Milieu heißt — als „Kapellmeister". Er hatte viel freie Zeit und eine immerhin einträgliche Stellung. Oft spielte er auch in Kaschemmen, und das war dann noch einträglicher. Dabei studierte er Musik, mit allem Eifer. Da das Geld kostete, sah er sich bald getrieben, seine Einnahmen zu erhöhen. Er gab Stunden an Soubretten und komponierte hier und da ein Couplet. Bald war er in seiner musikalischen Ausbildung so weit gekommen, daß er zu den Meisterkursen der Hochschule angenommen
        
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