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Das internationale Variété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das internationale Variötä.

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gehindert die Bühne und was sich auf ihr begibt überblicken. Das Verhältnis zwischen Breite und Tiefe des Raumes, das an und für sich schon ein höchst sonderbares ist, erweist sich in Anbetracht des Urnstandes, dasz sich die Bühne an der Breitseite aufbaut, geradezu als eine Lächerlichkeit. Aber man kann sich, vorausgesetzt daß man selbst einen der wenigen guten Plätze erwischt, über diese schweren Fehlgriffe hinwegsetzen, sie vergessen, wenn der Riesensaal im grellen Lichte prangt. Da leuchten aus nachtdunkler Höhe — einer Unzahl von Sternen vergleichbar — Glühlärnpchen in den Raum herab, alles mit ihrem Glanz überflutend. Unendlich hoch steigen dann die Wände, verlieren sich in dem lichtdurchflirrten Himmel, der sich uns zu Häupten spannt. Von vornherein ist eine freie, erhöhte Stimmung gesichert. Nichts, was an die Welt des Alltags gemahnt; die Phantasie hat freie Bahn für ihren Flug.

Stimmung zu erzeugen ist die eigentliche, die letzte Kunst des Varietes. Denn alles Variete ist ein Zuviel, ein überflüssiges, ein Luxus für den nüchtern denkenden und empfindenden Menschen. Es birgt keinerlei Nützlichkeitswerte in sich; es ist ein Spiel, nur ein Spiel. Und so kommt alles daraus an, den Nützlichkeitsphilister, der in uns allen steckt, für den Augenblick in Schach zu halten, unschädlich zu machen. Der Phantast in uns muß erwachen und groß werden, muß durch seine Übermacht jenen, den anderen, mehr und mehr zurückdrängen. Und der Phantast schmarotzert an der Stimnmng, die sein Milieu ihm entgegenwirst. Stimmung ist alles.

Geschickt baut sich das Programm auf; steigert sich von Nummer zu Nummer. Tänzerinnen, Sängerinnen, Akrobaten, lebende Bilder, Jongleure — was steht nicht alles auf solch einem Programm! Als eine der letzten Nummern heute die Saharet! Zugleich einer der höchsten
        
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