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Das internationale Variété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

60 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin.

Auch das Passagetheater hat seine Eigentümlichkeiten. Die Verbindung mit dem gleichnamigen Panop-tikum ist hier von entscheidender Bedeutung. Man vergißt im Theater nicht, daß der Weg dahin zwischen Wachspuppen und allerlei lustigem, exotisch-romantischem Firlefanz hindurchfühlte. Und sollte man doch einmal in Versuchung kommen es zu vergessen, so sorgt die große Pause dafür, daß sich einem der Eindruck von neuem machtvoll ins Gedächtnis einpräge. Da zieht das Publikum, durch den Leiter der Vorstellung aufgefordert, in langgedehntem Gänsemarsch dem „kleinen Theater" zu, wo sich bei den Weisen einer flotten, in fremdländische Tracht gekleideten Kapelle das dickste Weib der Erde, ein Zwerg oder Riese ober ein armseliger Idiot mit sechsfingrigen Händen und noch etmelchen anderen physiologischen Defekten einem erstaunten Publikum produziert. Die Luft ist mit Sensationen dieses Genres geschwängert und man kann sich ihnen nicht entziehen. Übrigens wird das Varieteprogramm durchweg brillant exekutiert, und nicht selten sieht man in der Passage Schlager ersten Ranges. Lona Varrison gibt hier ihre intimen Pikanteren zum besten, die Bokken Lasson singt mit dem ihr eigentümlichen natürlichen Schmiß ihre Chansons und die Picchianis, eine der feinsten Akrobatentruppen, die ich je gesehen, zeigen hier ihre Künste.

Bleibt der Wintergarten, die glänzendste der Varietestätten, die unsere Reichshauptstadt ausweist. Der Provinzler, der Berlin berührt und nur irgend auf sich hält, muß den Wintergarten besuchen. Zeder, der vorn Schicksal dazu verurteilt wird, in Berlin den Bärenführer zu spielen, lenkt hierher zuerst seine Schritte. Schon der Saal ist eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Freilich wie unpraktisch er angelegt ist; kaum zu glauben! Nur der kleinste Teil der Zuschauer kann frei und un-
        
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