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Der Kretin

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

50 Groszstadt-Dokum. Bd. 22. 33artete u. Tingeltangel in Berlin.

sechzehn Jahre alt war, und rückte mtbern Tags mit ihr aus. Er war Reisender und offenbar auch Teilhaber einer großen Wollsabrik. Maruschka führte nun, größtenteils in Berlin, ein glänzendes Leben. Das junge Paar konsumierte monatlich an die 2000 Mark, schwelgte in allen Genüssen, die die Großstadt nur bieten kann. Zudem sah die junge Frau ein gut Stück Welt.

Aber der Mann lebte wild und wüst drauf los und zehrte seine Kräfte in jungen Jahren aus. Als junger Mensch starb er. Daß Maruschka schon vor und dann nach seinem Tode furchtbare Beweise seiner Untreue erhalten hatte, nur nebenbei. Nun war sie ganz in der Hand ihrer Schwiegermutter, da der größte Teil des Vermögens aus ihren Namen überschrieben, und der Tod des Mannes so plötzlich eingetreten war, daß er für die Witwe nicht mehr hatte sorgen können. Die Schwiegermutter war Maruschka feindlich gesinnt, gab ihr nur das Nötigste zum Leben. So kam Maruschka, die ihre Bedürfnisse in den letzten Jahren stark herausgeschraubt hatte, dazu, auf eigenen Verdienst auszugehen. Sie ging als Büfettdame in ein sehr bekanntes Etablissement im Zentrum Berlins. Dort Miefen sich ihre Gesamteinnahmen auf etwa 250 Mark monatlich. Maruschka hatte diesen Schritt ohne Vorwissen ihrer Schwiegermutter getan, aber diese kam hinter ihre Schliche. Auch verdroß es sie, daß Maruschka gegen die Männer nicht allzu spröde und abweisend war. Grund genug, sie ein für allemal zu enterben. Maruschka, die sich den Luxus eines Rechtsanwalts nicht leisten Konnte, stand hilflos da. Vier Jahre war sie Kellnerin in einem Lokal unter den Linden, dann folgten kurze Intermezzi hier und dort und endlich ist sie nun int Variete gelandet.

In ihrer Ehe hatte sie zwei Kinder gehabt, aber beide waren klein gestorben.

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