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Der Kretin

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Der äretin.

Kleeblattes fuchtelt mit ihren, sagen wir verschämt, Piedestalen weit über die Rampe hinaus, und vergnügt sich damit, einen der für die Gäste bestimmten Stühle lustig hin und her zu schwenken, während Nummer III den Hintergrund-bildenden Kattun schon bedenklich streift.

Ein kleiner Buckliger füllt mir aus, der sich ziel- und planlos im Saal herumtreibt. Einige Gäste amüsieren sich mit ihm, und ich nehme mir vor, ihn im Auge zu behalten. Das Lokal ist ziemlich voll; lauter Herren, ein oder zwei Dirnen darunter. Fast alles einzelne Herren. Die sprechen dann angeregt mit der Kellnerin, die sich zu ihnen herabbeugt. Wie immer in derartigen Lokalen, geht dieser Verkehr mit ziemlicher Ungeniertheit vor sich. Doch scheinen mir die Kellnerinnen bescheidener, anständiger als anderwärts.

I Die meine ist ihrer Jugend schon entwachsen, ein vollentwickeltes, breithüftiges, in mancher Beziehung schon recht überreifes Weib, das vielleicht einst schön gewesen ist. Sie ist Polin, heißt Maruschka. Ich frage sie, wie sie nach Berlin und in diese Stellung gekommen ist.

„Das ist ein ganzer Roman," meint sie, und sie führt mich im Fluge durch die Kapitel des Romans hindurch.

(Sie ist stolz auf ihre Vorfahren, einer von ihnen war sogar russischer General. Sie waren zumeist sehr reich, und ihr Vater hätte es auch sein können, wenn er kein so ausgesprochener Lebemann gewesen wäre. Seines Zeichens ist er Grubenbeamter. Als Maruschka noch nicht sechzehn Jahre alt war, berührte eines Tages ein elegant gekleideter Herr ihren Heimatsort. Er traf sie, als sie auf dem Feld den Mägden Anweisungen erteilte, verliebte sich bis über die Ohren in sie und bat ihren Vater, er möge sie ihm als seine Frau mitgeben. Der Vater verwies ihn aus ihr Alter und bedeutete ihm, zu warten. Der Fremde blieb am Ort bis Maruschka

Großstadt-Dokumente 83b. 22.	4
        
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