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Die Elsässerstraße

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Die Elsässerstraße.

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Neues. Neu wäre vielleicht nur der Trick, das Plakat hinauszuhängeu und dann dem fragenden Besucher zu eröffnen, daß gerad an diesem Tag der Ringkampf nicht stattfinden könne. Mag ja wohl sein, daß es ein anderer besser trifft als der ob seines Mißgeschickes gebeugte Verfasser.

Von den Lokalen, die zwar nicht als Tingeltangel bezeichnet werden können, aber doch manchen Zug von: Tingeltangel übernommen haben, wäre der Kuhstall in der Elsässerstraße besonders zu erwähnen. Hier konzertiert allabendlich eine phantastisch ausgeputzte, sich zum Teil aus recht jugendlichen Musikantinnen rekrutierende Damen-kapelle. „Die Kühe, das sind wir," scherzt die laszive Kellnerin; „und hier, gucken Sie mal da hin" — und sie zieht den Besucher in eine verschwiegene Nische, in der ein grotzmüchtiges Bild eines mit gewaltigen Hörnern ausgestatteten Ochsen hängt. Das ist noch so ein Stück der alten Frechheit, der alten Keckheit und Obszönität, ein Stück alte Elsässerstraße. In den Cafes wäre wohl noch ein zweites zu entdecken.

Und nun hätte ich fast etwas vergessen. Das Skala-Theater. Nichts kann deutlicher demonstrieren, daß die Elsässerstraße den Weg sittlicher Besserung eingeschlagen hat, wie die Eröffnung der „Skala". Wohlanständigstes Publikum, bestes Familienpublikum, ja sogar, man denke, Kellnerbedienung. Und das in der Elsäffer-straße! Zweifellos ist es eines der hübschesten und am trefflichsten geleiteten Spezialitätentheater, die Berlin auszuweisen hat. Abgesehen natürlich von den großen internationalen Etablissements: dem Wintergarten, dem Apollotheater, dem Passagetheater.
        
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