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Die Räuberhöhle

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Die Räuberhöhle. 43 
(singende Gläser, Glockenspiel und ähnliches), faßt er eine 
der Kellnerinnen um den Leib und walzt mit ihr durch 
die Räume. Von Zeit zu Zeit läßt er seine Partnerin 
los und schmeißt die Beine vor Vergnügen hoch in die 
Luft, daß es aussieht, als versuchte er einen Cancan und 
brächte ihn doch nicht fertig. Er hat entschieden schon 
eine beträchtliche Alkoholmenge zu sich genommen; aber 
er kann sich doch noch immer aus den Beinen halten. 
Er ist angeheitert, aber noch nicht betrunken, ein komischer 
Anblick! 
Meine Kellnerin sitzt mir fast aus dem Schoße. Sie 
bettelt um ein Bier, das sie nicht bekommt. Sie ver¬ 
sichert mich (als ob ich mich darüber beunruhigte), sie 
halte mich nicht für eine Kanaille, würde mich aber dafür 
halten, wenn ich ihr jetzt kein Bier mehr stifte. Als ich 
sie abweise, macht sie ein großes Geschrei: „Das sind mir 
schöne Gäste, trinken so gut wie nichts, geben mir nichts 
zu trinken. Nette Sache das!" Und sie schimpft, was 
das Zeug hält. Die Dirne hinter mir mischt sich ein, in 
der Voraussicht, wenn sie mir sekundiert, etwas dabei zu 
ergattern. „Das ist ein ganz gemeines Weib. Komm, 
Liebchen! Laß die reden, was sie will! Laß sie doch! 
Das darf dich nicht kümmern. Gib mir 'ne Zigarette 
und bezahle mir's Vier!" Dann erzählt sie mir von 
ihrem Leben. „Ich habe gerade nur noch so viel im 
Portemonnaie, als ich fürs Vier nötig hatte. Nu Kamt 
ich's mir aber aufbehalten, weil du gut bist. Ja, es geht 
mir nicht gut, und hier ist auch so gar nichts los. Ich 
geh hier nie wieder in das Lokal; überhaupt wo so ge¬ 
meine Weiber sind! Ich geh nachher noch aufs Bock- 
bierfest, da gibt's vielleicht eher was. Schenk mir einen 
Groschen, damit ich Glück habe. Weißt du nicht, so ein 
Groschen bringt Glück! Ach Gott, ich habe es ja so 
nötig. Aber ich klage nicht, ich bin ganz zufrieden."
        
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