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Die Räuberhöhle

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

42 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin.

halt meines Glases rasch entschlossen in das ihrige. Das Anerbieten, eine Zigarette zu nehmen, das ich in der Meinung sie dadurch von der Bierfrage abzubringen und meinem Geldbeutel einen Gefallen zu tun an sie richte, wird dankend akzeptiert. Statt einer verschwinden aber sechs, sieben Glimmstengel in der Schürzentasche der holden Donna. Ich soll noch „ein Bock schmeißen", und als ich mich weigere, nennt sie mich im Tone tiefster sittlicher Entrüstung eine „Kanaille".

Inzwischen wendet sich die allgemeine Aufmerksamkeit einem Vorgang zu, der sich unweit meines Tisches abspielt. Dort sitzen zwei Freunde, offenbar in heiterster Feststimmung. Der eine schlügt ans Glas und hält eine

fulminante Rede: „So jung wie wir sind Ia, sehr

richtig, so jung kommen wir nicht mehr zusammen----------------

wir bleiben nicht immer so jung. Und dazu ein volles

Glas! Wenn einem das Herz auf die Zunge tritt------------------

Kinder, sind das dann so Augenblicke — große Augenblicke! And die Mächens " Und jetzt ist er auf

ein Thema gekommen, das er nicht so bald zu verlassen gedenkt. Plötzlich klopft er entrüstet seinem Freund aus die Schulter: „Ia, was ist denn eigentlich mit dir los? Menschenskind, Menschenskind! Kann dich nicht begreifen. Unfaßlich so was! Sonst rennt er jeder Schürze nach, wer weiß wie weit!" Er wendet sich emphatisch an uns, sein Publikum: „Ieder Schürze, sag ich euch, ganz egal, ob es eine Vogelscheuche ist. Und heute? Ia, Menschenskind, gefallen dir denn die Mächens gar nicht? Guck sie doch an, die lieben, netten Gesichterchen!" — Und wieder zu uns: „'s ist, als wenn er Fischblut hätte. Nichts zu machen heute, den ganzen Abend schon. Er bringt mich ganz in Aufregung." Noch lange strömt der Fluß seiner Rede. Dann erhebt er sich, und während sich aus der Bühne ein Instrumentenkünstler produziert
        
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