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Die Räuberhöhle

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

40 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variöts u. Tingeltangel in Berlin.

Gästen. Natürlich haben sie sich die zahlungsfähigsten Elemente, die sich im Lokal austreiben ließen, dazu ausgesucht. Pilsner, Grätzer, bessere Liköre sind in Menge auf den Tischen verteilt; Wermut wird von den Künstlerinnen ganz besonders bevorzugt. Im Hauptraum, der geradeaus aus die Bühne schaut, im wesentlichen einzelne Herren, selten zu zweien und dreien gepaart; zwei bis drei Dirnen unter ihnen, die zunächst noch einsam und trübselig in ihr schon halb geleertes Glas starren, oder aber darüber hinweg mit den Herren zu kokettieren suchen. Es sind Dirnen traurigster Sorte. Die abgerissenste und häßlichste von ihnen, die hinter mir ihren Platz hat, kann als Prototyp jammervollsten Großstadtelends gelten. Sie bittet um 'ne Zigarette und ich geb' sie ihr gern. Sie läßt sie in ihrer Tasche verschwinden. Ich wundere mich, daß sie sie nicht ansteckt. „Das dürfen wir nicht. Hui! Was sollte da werden, wenn wir hier rauchen wollten; da würden die uns schön aus den Pelz rücken."

Der grellrote Vorhang, der bisher die Bühne verdeckt hatte, geht nun aus. Eine der Soubretten, die ich bereits im Nebenraum gesehen, steht auf der Bühne und singt ihr freches Lied. Ich muß mich korrigieren: Das Lied an und für sich ist gar nicht so frech, ziemlich witzlos, geistlos, ein wenig pikant; doch auch das nur in so geringem Maß, daß es nicht genügen kann, das Interesse des Publikums, daß sich hier zusammengefunden hat, zu fesseln. Aber die Art, wie sie vorträgt, die Art, wie sie den Kopf hält, so sinnlich lüstern vorschiebt, wie sie die Füße stellt, die Beine wirft, in den Knien wippt, das alles ist so gemein, daß einem die Schamröte ins Gesicht steigen möchte. Das ist auch das einzige, wofür das Publikum hier Sinn hat. Auf die Textworte hört hier kein Mensch.

Das Weib ist nicht hübsch und auch niemals hübsch
        
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