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Das Vorstadtvariété Nach der Vorstellung

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Vorstadtvariäte.

Die Liedersängerin behielt nun im wesentlichen das Wort. Sie war die Gebildetste im Kreise der Artisten, und ihre Bildung ebenso wie der Umstand, daß sie die mannigfachsten Beziehungen mit der Welt der Gebildeten verknüpften, imponierte den Kollegen außerordentlich. Sie erzählte von dem jüngst verstorbenen George Lang, dem Nürnberger Entrepreneur, der für diese VarMleute so ziemlich das Ideal eines Direktors darstellt. Wer einmal die Dresdner Vogelwiese besucht hat, wird sich des Namens gewiß noch erinnern, sei es auch nur dank der vorzüglichen Nürnberger Rostwürstchen, die man in seinem Riesenlokal zu kosten bekam. Auch in Berlin soll er wiederholt zu Gast gewesen sein. Dann sprach sie von einer Vorstellung in einem Irrenhaus, in der sie das Lied „Es war einmal" zu singen hatte. Der schwermütige Text, der die Herrlichkeit alter Tage der Unseligkeit der Gegenwart entgegenstellt, übte aus das Gemüt der Irren eine so furchtbare Wirkung, daß es zu herzbrechenden Szenen kam. Merkwürdig eindrücklich wußte sie uns dies Erlebnis vor Allgen zu führen; alles gewann Farbe und Stimmung, packte in der romantisch-schwärmerischen Beleuchtung, in die es gerückt war. Fast hingerissen lauschten wir.

Ein noch leidlich jugendlicher Elegant tauchte auf, schritt an unseren Tisch; blitzschnell fuhren die Damen herum, wandten sich ihm zu.

„Oh, Sie wollen gehen? Sie fahren nach dem Stettiner Bahnhof? Ach bitte, warten Sie aus uns, wenn es Ihnen nicht zuviel Mühe macht. Wollen Sie auf uns warten?"

Der Kavalier verbeugte sich verbindlich: „Selbstverständlich, meine Gnädige," schnarrte er der Sängerin

entgegen. „Wird mir eine Freude sein!-----------------" Und

schon war er wieder verschwunden.
        
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