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Das Vorstadtvariété Nach der Vorstellung

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Vorstadtvariät6.

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und was so mehr ist. Aber zu machen ist da nichts mehr, das Geld ist futsch. Er hat's Testament schon gemacht, damals als ich Puppenspieler wurde, urtd er widerrust's nicht mehr."

Er war ganz trübselig. Und wir trösteten ihn, indem wir ihm in Aussicht stellten, daß der Großvater vielleicht doch noch mal auf die gescheite Idee verfallen könnte, dem Testament ein paar erbauliche Klauseln hinzuzufügen.

Das Gespräch wandte sich dem Künstlerelend int allgemeinen zu. Bei allem was gesprochen wurde, bildete mehr oder weniger die Melancholie den Unterton. Ja, was weiß das Publikum von diesem glänzenden Elend, von diesen Hoffnungen, Kämpfen und Enttäuschungen! Auch von der Herzensleere und der Einsamkeit, unter der diese Menschen oft so bitterlich zu leiden haben! Ich erzählte die Geschichte von Garrick, der inkognito in London einen Arzt ob seiner Schwermut interpellierte. Der Arzt riet dies und jenes, aber Garrick schüttelte den Kops: alles hatte er schon versucht. Da nannte der Arzt ein letztes Mittel, er müsse ins Theater gehen und Garrick sehen, dann werde er wieder lachen können. „Ich würde es gern tun," sagte Garrick, „wenn ich nur nicht unglücklicherweise selber Garrick wäre!"

Natürlich ist es bei diesen Leuten immerhin noch mehr die äußere Not als die innere, die ihnen ihre Tage verbittert. Sie hoffen und jagen von Engagement zu Engagement, aber oft genug sitzen sie beschäftigungslos aus der Straße. Und das ist dann nicht leicht.

„Und man ist manchmal so dumm," meinte Komiker Nr. 1. „Lesen Sie dies Telegramm hier, es kommt aus Böhmen. Da konnte ich nun für 17 Mark täglich mit meiner Frau Beschäftigung finden. Aber mich stichelt der Hafer, ich telegraphiere hin, sie müßten mir noch die
        
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