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Das Vorstadtvariété Nach der Vorstellung

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Vorstadtvariktö.	31

eifrige Katholiken, da machten sie all die katholische Vereinsmeierei mit. Sie kennen die Sache ja wohl? Und so ziemlich bei allen Musik- nttd Theateraufführungen war ich beteiligt. Als neunjähriges Kind stand ich zunr erstenmal aus der Bühne; seitdem ließ mich die Sehnsucht nach dem Theater nicht mehr los. Ich wollte Bühnensängerin werden. Mein Vater, der ja eigentlich an meinem Wunsch schuld war — Gott, war er eitel auf mich! — wollte natürlich davon nichts wissen, ließ mich aber wenigstens das Hochsche Konservatorium besuchen. Eines Tages — ich sagte schon, ich war damals vierzehn Jahre — las ich in der Zeitung eine Annonce: für eine große Tournee wurde eine junge Sängerin gesucht. Ich meldete mich — selbstverständlich heimlich — bekam Antwort und stellte mich tags darauf im Erlanger Hof — ich glaube, er existiert jetzt schon lange nicht mehr —- dem Direktor der Tournee vor. Es handelte sich um das schwedische Damenquintett. Erinnern Sie sich?"

Ich schüttelte mit dem Kops.

„Na, dann nicht, kurz, ich gefiel den Leuteil, ich bekam den Kontrakt, den ich meinem Vater zur Unterschrift vorlegen sollte.	Ich	schwindelte,	mein Vater	sei

verreist; den nächsten	Tag,	mein Vater	sei krank,	und

so fort; denn ich hätte natürlich nie gewagt, ihn um Erlaubnis anzugehen. Inzwischen war ich jeden Tag, wenn mich meine Eltern im Konservatorium vermuteten, im Erlanger Hof und probte aufs Leben los. Am letzten Tage sprach der Direktor ein ernstes Wort mit mir. Ich offenbarte mich ihm. Erst zankte er, wollte mich wegschicken, dann fiel ihm die Mühe ein, die er sich mit nur gegeben hatte, und er nahm mich zu Gnaden an. Den nächsten Morgen zog ich mit der Musikmappe von Hause fort, um nie wieder	zurückzukehren.	Sonst hatte	ich

nichts mit, gar nichts.	Ich	ergab mich	der Truppe	auf
        
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