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Das Vorstadtvariété Hinter den Kulissen

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

30 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin.

geöffnet werden mußten, daß seine Frau eben nicht seine Frau war.

Ich fühlte mich einigermaßen im Wege in dem Tohuwabohu, das nun so allmählich einsetzte, verabredete nnt den Künstlern ein Rendezvous im Bierlokal und empfahl mich.

„Na natürlich trinken wir eines! Ich habe mächtigen Durst, kolossalen Durst!" schrie mir einer nach.

Nach der Vorstellung.

Die Liedersängerin war die erste, die sich eingesunden hatte. Sie erzählte ihre Geschichte:

„Ja, ich bin eigentlich blind reingerannt in dieses Leben. Ach Gott, ach Gott, hätt' ich alles voraussehen können, was es mir gebracht hat! Aber damals sah das so ganz anders aus. Sie vermuten ganz recht: ich stamme nicht aus diesen Kreisen, mein Vater ist ein angesehener, seiner Mann, Buchbindermeister und Besitzer einer großen Druckerei."

Ich mußte fragen, da sie wieder schwieg. „Und was sind Sie für eine Landsmännin?"

„Frankfurterin. Nicht wahr, das würde mir kein Mensch anhören? Nun es sind auch fünfzehn Jahre her, seit ich von Hause auskniff."

„Ausgekniffen sind Sie?"

„3a, regelrecht; als dummes vierzehnjähriges Ding. Man sagt mir ja nach, ich hätt' 'ne gute Stimme; sehen Sie, die hatt' ich als Kind auch schon, und hübsch war ich damals auch. Da Kam's denn, daß ich schon als Kind immerfort zu allen möglichen Festlichkeiten geschleppt wurde und da singen und vortragen mußte. Mußte? Ich tat das ja so furchtbar gern! Meine Eltern sind
        
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