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Das Vorstadtvariété Hinter den Kulissen

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Vorstadtvariötö.	27

rade einfällt, nennt sich eben Artist und schnappt uns 's Brot vor der Nase weg."

Indes hatte er sich seine Trikots noch völlig über-gestreift und wandte sich einem jungen Mädel zu, mit dem er ständig zu arbeiten schien. Ein noch halbwüchsiges Ding, von etwas unschönen, kräftigen Formen, aber mit wundervollem, langem, blondem Haar; frei umschwirrte es das anmutige Gesicht, in dem noch viel Kindlichkeit und Unverdorbenheit zu lesen war. Wie er, war auch sie ganz in blaues Trikot gekleidet. Sie strich ihm mit weiblicher Sorgfalt das Trikot glatt, strich ihm über den Rücken, über Arme und Beine und knüpfte ihm den schon bereitliegenden Gürtel.

Lauter Applaus draußen. Der Kartenkünstler kam als Sieger zurück. Ich applaudierte mit, das versöhnte ihn, der noch immer einen leisen Groll gegen mich hegen mochte.

„Wissen Sie, Sie dürfen mir das nicht verdenken, man hat so seine Geheimnisse und — na, sehen Sie, man darf sich nicht in die Karten gucken lassen. Wörtlich verstanden!" meinte er noch, um den Witz zu unterstreichen. „Übrigens, heute habe ich noch nicht das Beste gemacht; Kleinigkeit, was ich heute gemacht habe! Wie dumm der Kerl aussah, dem ich da die Karten plötzlich in den Rock zauberte. Wenn der erst die lebende Ente bekommen hätte! Das ist nämlich das Großartigste: Da sitzt dem guten Mann, eh er's sich versieht, ’ne lebende Ente auf seiner Schulter. Aber hier bei dieser Iammer-gage läßt sich das natürlich nicht machen. Und überdies, mit dem Viehzeug bis hier heraus zu kommen" — vergnügt lachte er vor sich hin.

„Also trotzdem immer fidel?"

„Immer fidel!"

Es ist Zeit, daß ich von der Frau des KomiKers
        
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