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Das Vorstadtvariété Hinter den Kulissen

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Vorstadtvari6t6.	25

ja so nicht arbeiten," seufzte er, „ich weiß nicht, wie das ist; das beengt. Wenn ich schon das Gefühl habe, daß mir jemand zusieht, von hinten, ich kann einfach nicht. Es geht einfach nicht. Das wäre ja noch besser, wenn das Publikum da immer von den Kulissen aus zusehen dürfte!" Und er redete so fort, aber stets an mir vorbei, so daß es mir überlassen blieb, die zarte Aufforderung zu verstehen oder nicht. Ich zog mich, da ich die feierliche Erlaubnis zum Aufenthalt in der Garderobe nun einmal erhalten hatte und auch ausnützen wollte, wenigstens in den Hintergrund zurück. Der Kartenkünstler ging auf die Bühne und exekutierte seine Tricks unter dem begeisterten Applaus des Publikums.

Es ging drunter und drüber in der Garderobe. Ein Komiker, höchst fidel und wohlgenährt, war eben daran, sich ein Dutzend Westen anzuziehen, weil er den dicken Tölpel in einer der nächsten Nummern agieren mußte. Der Krastgymnastiker wischte sich noch den Schweiß von der Stirne, entkleidete sich dann, wobei ich seine glänzenden Muskeln bewundern durste. Die Soubrette schoß im kurzen Röckchen aus der Dmnengarderobe heraus und trippelte nun kokett im Raum auf und ab. Ihr Liebster hockte auf einem Schemel und war eben dabei, eine mächtige belegte Stulle, die ihm gespendet worden war, zu verzehren. „Gib mir auch was vou," schmeichelte das Mädel. „Ih wo," machte er, „selber essen macht fett." Die Kleine ereiferte sich. „Hat man schon so was gesehen, daß einer seiner Frau nichts abgibt?" Aber er lachte nur. Er selbst war den Abend unbeschäftigt, doch gehört er, wie mir später erzählt wurde, auch zur Artistengilde.

Als der Komiker die sechste Weste angelegt hatte, ließ er sich herbei, mit mir einiges zu plaudern. „Sehen Sie, so stecken wir nun in der Patsche drin," fing er an;
        
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