Path:
Das Familienvariété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Familienvariöts.

15

aufwärts, dann aber auch in allen Altersstufen. Die Kleinen, die die Vorgänge auf der Bühne von ihrem Platze aus nicht genügend übersehen können, klettern eifrig aus die Stühle hinauf und geben ihre Kritik oft recht vernehmlich und ausführlich zum besten.

Beherrscht im Kellnerinnenvariste mehr oder weniger die Chansonette das Feld, so scheint sie hier, wo natürlich nur Kellner servieren, auffällig in den Hintergrund gedrängt. Das Programm ist, da eine Spekulation auf die pikanten Bedürfnisse der Herrenwelt hier nicht am Platze wäre, viel bunter und reichhaltiger zusammengestellt, viel mehr dem begreiflichen Wunsche der harmlosen Besucher, nun einmal was recht Interessantes zu sehen und zu erleben, recht vielerlei verschiedene Eindrücke mit fortzunehmen, angepaßt.

Fast nach jeder Nummer erscheint der Künstler, der soeben aufgetreten, unter dem Publikum, von seinen Freunden zumeist mit lautem „Hallo!" begrüßt, um dort Ansichtskarten, die ihn in seinem neuesten Trick präsentieren, oder auch den Text seiner Couplets für ein billiges abzusetzen.

„Nehmen w'r —" schmunzelt dann Vater vergnüglich. „Schreiben wir an Maxen die Karte! Wird sich freuen, der arme Junge! Kriegt er auch was davon zu sehen!" Und die Kinder puffen die Mutter ungeduldig, weil sie die Karte allzulange für sich mit Beschlag belegt.

Int großen ganzen herrscht hier ein biederer, behaglicher Umgangston; zwischen den Besuchern untereinander, aber auch zwischen Publikum und Künstlern. Int richtigen Theater gähnt zumeist eine weite Kluft zwischen beiden Parteien, die nur von wenigen Auserwählten überbrückt wird. Der Künstler ist dem gemeinen Mann unnahbar. Wie ein Wundertier wird er angestaunt. In den Dimentingeltangeln gähnt diese
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.