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Das Volksvariété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

12 Großstadt-Dokum.Bd.22. VarietS u. Tingeltangel in Berlin. 
Nach der Pause beginnt das Stück. Es ist hier 
Sitte, daß immer mit einem Theaterstück geschlossen wird. 
Ich schaue ins Programm, durchstiege dabei noch einmal 
alle die Nummern, die schon vorübergerauscht sind. Bei 
diesem Rückblick konstatiere ich die ulkige Tatsache, daß 
sich einer der Künstler hier als „Nlr. Ohm Krüger" pro¬ 
duziert. Man sollte den guten Mann einmal über die 
Bedeutung des Wortes Ohm aufklären. 
Das Stück, das wir zu erwarten haben, spielt im 
Hause eines Berliner Schlächtermeisters. Das verspricht 
viel. Wie aber erstaune ich, als ich, sobald sich der Vor¬ 
hang hebt, in dem Schlächtermeister den Tunnelwirt 
wiedererkenne. Er hat kaum einen Versuch gemacht, 
dem Publikum das Wiedererkennen zu erschweren. Mein 
Erstaunen nimmt von Minute zu Minute zu. Der Mann 
spielt brillant, spielt wie ein routinierter Schauspieler. 
Wahrscheinlich hat er einst bessere Tage gesehen, hat 
dann, Gott weiß aus welchem Grunde, den Sprung von 
der Bühne zum Brettl machen müssen. Jetzt erscheint er 
mit seinem Los ausgesöhnt. In diesem Ensemble wirkt 
er wie ein Star. Beinahe bringt er's fertig, daß man 
an der törichten, an sich so unmöglichen Gestalt des 
Schlächtermeisters, der uns da vorgeführt wird, Interesse 
nimmt. 
Das Publikum tut es auf alle Fälle. Es lauscht 
atemlos. Nur wird von Zeit zu Zeit die Ruhe durch 
die etwas auffällige Tändelei eines der im Saal an¬ 
wesenden Liebespaare unterbrochen. Der Bursch sitzt 
dem Mädchen fast auf dem Schoß, und kann seine 
Zärtlichkeitsgefühle offenbar nicht mehr bezähmen. Leb¬ 
haftes Gekicher, dann noch vernehmlichere Geräusche, als 
ob Küsse getauscht würden. Das Publikum wird auf¬ 
merksam, regt sich aus. Aber der Lärm hebt von neuem 
an, ärger denn zuvor, bis von den resoluten Herrschaften
        
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