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Das Volksvariété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Volksvarists.

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Haltestelle zu Haltestelle. Die Bahn hat sich immer gerade wieder in Bewegung gesetzt, und die unerreichbare Schöne lächelt ihm von droben halb liebevoll, halb ironisch zu. Dieser Dauerlaus erscheint dem Beschauer als eine Kunstleistung ersten Ranges, zumal er von fortlaufendem Gesänge begleitet ist. Ein Ruf des Staunens geht durch die Menge. „Nicht stören!" schreit der Humorist, „sonst verwechselt man seine Beene!" Und er rast weiter.

Im übrigen tragen die Couplets hier teilweise einen recht srauenfeindlichen Charakter. Offenbar soll dafür gesorgt werden, daß der Mann, der, von häuslichem Arger vertrieben, hier seine Zuflucht sucht, Wasser aus seine Mühle bekommt. Ein Couplet handelt ganz und gar vorn schlechten Weibe. Was soll mit dem schlechten Weib gemacht werden? Am besten, schließt der Humorist, man steckt sie in einen Sack und versenkt sie da, wo der Teich am tiefsten ist. Die Männer fühlen sich.

Wer Hunger und Durst und daneben auch einige Psennige hat, verfügt sich in der Pause in den Tunnel; dort ist das „Theaterrestaurant". Man bekommt ein Glas Bier oder einen Schnaps, ein paar warme Würstchen mit Brot. Die meisten der Künstler trifft man hier wieder. Sie halten sich gegenseitig frei und scheinen sich köstlich zu amüsieren. Der Wirt, schon ein Mann in älteren Jahren, wirft ab und zu einen saftigen Witz in die Unterhaltung ein. Diese Künstlerrunde versüßt mir den Aufenthalt im Tunnel, und das ist nötig. Ein Loch ist er eigentlich; die Decke senkt sich beängstigend aus den harmlosen Gast herab, und gerade die vielen Bilder, die ringsum die Wände bedecken, Künstlerkarten, Künstler-photographien, Ansichtskarten (man kann sagen, das Zimmer ist tapeziert mit ihnen) lassen sie noch näher und drohender erscheinen.

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