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Das Volksvariété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

10 Großstadt-Dokum. Vd. 22. Startete u. Tingeltangel in Berlin.

Bier der Hintermänner bestimmt. Die Bühne ist leidlich groß, mit Vorhang versehen, alles comme il saut; davor ein veritabler Orchesterraum für die Musiker.

Hier ist mehr von Politik die Rede, als in anderen Varietelokalen. Die Politik des kleinen Mannes wird hier verfochten, oder auch jedermanns Politik. Augenblicklich mutz natürlich das dunkle Rußland mächtig herhalten. Wie ich eintrete, steht eine Chansonette aus der Bühne und verkündet, daß sie nun einen Brief an den Zaren zur Verlesung bringen werde. Auf die Melodie: „Ach, Schaffner, lieber Schaffner, was haben Sie getan, Sie haben mich nach Berlin gebracht, und ich wollt' nach Amsterdam" singt sie ihren Brief herunter, der natürlich von volksfreundlicher Gesinnung trieft und sehr wohlgemeinte Ratschläge an das Oberhaupt des russischen Reiches in sich birgt. Unter dröhnendem Beifall schmettert sie in die Menge hinaus, was sie tun würde, wäre sie an der Stelle des Zaren, und das Publikum hat nur die eine Idee: so sollte es der Zar machen, das wäre das Richtige.

Noch einmal kommt die Politik zu Wort. Ein Humorist hält „vor versammeltem Reichstag" — eine etwas kühne Fiktion — eine Rede über die deutschen Kolonien. „Ja, meine Herren, wir müssen Kolonien haben; wir müssen!

Denn erstens:---------" und er leistet sich Witze, die schallende

Beifallssalven auslösen.

Die zweite Nummer des Humoristen finde ich weit lustiger, finde sie sogar eigenartig. Er erzählt in niedlichen Versen von einer hübschen Dame, die er eben auf der Straße gesehen habe. Aber die böse Straßenbahn hat sie ihm entführt, nun jagt er hinterdrein. Er bleibt zwar immer auf dem gleichen Fleck, schmeißt aber die Beine, als weiln er in voller Karriere hinter den: Wagen herliefe. Ganz echauffiert, mit fabelhafter Schnelligkeit geht das, von

llllllll!
        
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