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Das Volksvariété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

8 Großstadt-Dokum. Bd. 22. Variete u. Tingeltangel in Berlin. 
vielleicht etwas optimistischen Glauben, daß es das Ge¬ 
schenk eines naiven Kunstenthusiasten ist. 
Eine Chansonette folgt. Eine große, schlanke Er¬ 
scheinung, von graziösen Formen, mit einem sehr liebens¬ 
werten Gesichtchen. Sie singt etwas ganz Naives, oder 
was mehr sagen will, sie singt es auch ganz naiv. 
Sehr diskret und zart fügt sich das Gebärdenspiel dem 
Text ein. Der erste Vers handelt von Puppen. Eduard, 
ihr Freund, will sich an ihnen vergreifen. Da stellt sie 
sich abwehrend vor sie hin: 
Liebster, ich bitt' dich, so sehr ich kann, 
Rühre mein kleines Nest nicht an, 
Geh nicht so nah zu dem Bettchen hin, 
Es liegen meine Kinder, meine Kinder drin. 
3>m zweiten Vers ist sie es, an die Eduard sich 
heranwagen will. Wieder der Refrain: 
Liebster, ich bitt' dich, so sehr ich kann, 
Rühre mich kleine Maid nicht an, 
Schau nicht so tief in mein Auge hinein, 
Es könnt' für mich, es könnt' für mich gefährlich sein. 
Dritter Vers: Aber Eduard — natürlich!! Kurz, er 
raubt ihr einen Kuß. Mehr als einen. Schließlich ist er 
erschöpft und hält einen Augenblick inne. Da fleht sie: 
Liebster, ich bitt' dich, so sehr ich kann, 
Fang doch noch mal von vorne an. 
Schau mir recht tief in mein Auge hinein, 
Gehör' ja dir, gehör' ja dir nur ganz allein. 
Das Publikum ist außer sich vor Freude. Es weiß 
kaum, wie es seinen Liebling genug ehren soll. Die 
Künstlerin verbeugt sich tief errötend immer von neuem. 
Der Jubel will nicht enden. Ein heiteres Intermezzo 
gibt es, als einer der am nachhaltigsten Enthusiasmierten
	        
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