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Das Volksvariété

Full text: Variété und Tingeltangel in Berlin / Buchner, Eberhard

Das Volksvariete

Die Besucher sind fast durchweg Arbeiter. Einige wenige kleine Beamte, kleine Kaufleute mögen darunter sein. Die fühlen sich hier aber schon als die Honoratioren. Sie nehmen an den vordersten Tischen Platz, legen feierlich ab, bestellen mit wichtiger Miene ihr Bier oder Selterwasser, und jede ihrer Bewegungen sagt es, daß sie die Berechtigung in sich fühlen, nun einmal die Herren der Situation zu spielen. Die Arbeiter kommen grad so, wie sie von der Arbeit gingen, die Spuren der Arbeit alle noch unverwischt. Aber das trübt den Gesamtein-druck nicht, es hebt ihn vielmehr. Feierabendstimmung liegt über dem Saal. Sonst sind die VariMs zumeist mit Nichtstuern gefüllt, hier findet man fleißige Leute, die Erholung von dem harten Frondienst suchen, den ihnen der Tag gebracht hat. Natürlich haben sie ihre Schütze mitgebracht. Die sitzen halb zutunlich, halb schämig ihnen zur Seite. Die meisten von ihnen lächeln in stiller Glückseligkeit. Ein lautes Wort zu sagen getrauen sie sich nicht. Aber hin und wieder kichern sie wie geniert vor sich hin, neigen sich auch wohl zum Liebsten hinüber, ihm ein trauliches Wort ins Ohr zu flüstern. Der ist natürlich stolz aus seine Erwählte.

Eben hat mich mein Nachbar versehentlich auf den Fuß getreten und im Anschluß an dieses Lvenement ein
        
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