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Introduction

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

4 Großstadt-Dokumente 93b. 5. Zuhältertum in Berlin.

Ist doch der Zuhälter bisher nur als ein Mensch erschienen, der bloß die Rolle hat, das öffentliche Mädchen auf seinen Geschäftsgängen zu beschützen und möglichst viel Sündengeld von ihm zu erpressen. Ja, bei allen Schilderungen, die vom Zuhälter gegeben wurden, war er das verkommene Subjekt, das so ein armes, erbarmungswürdiges weibliches Geschöpf auf die Straße jagte und es brutalisierte, schlug und mißhandelte, wenn es nicht genügend Geld mit seinem Körper für ihn erwarb.

Wie so vieles, wird auch dies anders aussehen bei näherer Betrachtung. Es wird hier genau so gehen, wie bei dem Wort von dem landstreichenden Bettler, bei dem Wanderarmen:

„Ach was! Heutzutage braucht niemand betteln zu gehn! Heute findet jeder Arbeit! Warum arbeiten Sie nicht? Warum laufen Sie so jämmerlich gekleidet in Regen, Schnee und Kälte, Schmutz und eisigem Wind von Ort zu Ort? Warum haben Sie kein ordentliches Obdach? Warum verschaffen Sie sich keinen stets für Sie gedeckten Tisch?!"

Alle, die da draußen die Landstraße entlang ziehen, sind eben doch nicht nur schmarotzende Faulenzer. Viele sind von der Arbeitslosigkeit gezwungen, unterwegs zu sein. Andere trieb romantischer Drang in die Ferne. Manche sind nicht fähig, den Ansprüchen einer alle Kräfte fordernden Tätigkeit zu genügen, sie sind Neurastheniker, Tuberkulöse, Trunksüchtige, Peripatetiker u. a. m.

Schließlich hat doch jede Erscheinung die vielfältigsten Ursachen.

Und so auch das Zuhältertum.

Jeder Typus wird doch von zahllosen Individuen gebildet. Jeder Typus ist so vielen Variationen unterworfen, als er Individuen enthält.
        
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