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Schlupfwinkel

Full text: Zuhältertum in Berlin / Ostwald, Hans

Schlupfwinkel.	77

Dirnen mit ihren weiblichen Zuhältern verkehren, macht einen etwas andern Eindruck. Es ist ein Parterrelokal in einem alten Hause; in dem niedrigen Raume sitzt ein grotesker Stammtisch beisammen: hagere Mädchen mit männlichen Gesichtern, die Zigarren rauchen — und rundliche Frauengestalten, die verzückt in die männlichen Gesichter der andern starren. Sonderbarerweise haben fast alle an diesem Stammtisch die Haare blond gebeizt . . .

In der Gegend der Friedrichstraße befinden sich Kaschemmen, die sich ebenfalls von einer besseren Destille nicht unterscheiden. So die Lokale der Zimmerstraße, der Schützen- und Mauerstraße. Nur ist der Ton hier vielleicht ein wenig gedämpfter, als in anderen Kaschemmen. Und die mehr oder weniger kostbar und geschmackvoll, oft wie junge Frauen der besseren Stände gekleideten Prostituierten sehen in dieser Umgebung um so merkwürdiger aus. Ebenso auch die Zuhälter, von denen fast keiner im Winter einen Mantel trägt, der nicht mit Seide gefüttert ist.

In einem anderen Lokal der Friedrichstadt, in der K.-straße, kann man glauben, sich in Wien oder München zu befinden. Man hört nur süddeutsch-wienerisch reden. Die Herren sind alle mit dem Schik des kultivierten Wieners gekleidet. Am Büfett schänkt eine Münchnerin „Echtes" und an der Wand hängt eine Gitarre, ein Zupfinstrument.

Für Musik sind übrigens alle Kreise des Dirnen-und Zuhältertums begeistert. Überall steht ein Klavier und ist auch für die Zeiten des stärkeren Verkehrs ein Klavierspieler, der Couplets singen kann, angestellt. Oft ist es selbst ein Zuhälter. Selbst in den Kaschemmen am Wedding, der Vorstädte und armen Arbeiterquartiere wird Musik gespendet. Mal von dem schrecklichen
        
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